Chronik
Das freiwillige Schiessen wird wohl in keinem Lande sowie bei uns als Nationalsport gepflegt. Schon im Anfang des letzten Jahrhunderts, oder noch früher, bestanden Schiessvereine die sich 1824 im Schweizerischen Schützenverein zusammenschlossen. Die eidgenössische Militärorganisation von 1852 überband den Gemeinden die Aufgabe, den Schiesspflichtigen für das ausserdienstliche Ueben im Zielschiessen geeignete Plätze unentgeltlich zuzuweisen.
So waren Wallisellen, Opfikon und Oberhausen an einem gemeinsamen Schützengut beteiligt, das 1854 aufgeteilt wurde. Wallisellen erhielt dabei 99 Franken. Der Betrag wurde 1855 bei Auflösung des Schützengutes mit Bewilligung des Bezirksrates Bülach dem hiesigen Kirchengut einverleibt.
Noch am 14. Oktober 1861 berichtete der Gemeinderat Wallisellen dem Statthalteramt, "dass sich in hiesiger Gemeinde keine Schiess-Stätte vorfinde, dass kein Schützenverein bestehe und noch nie Schiessen abgehalten wurden, somit in dieser Hinsicht keine Unglücksfälle zu befürchten seien". Die Gemeinde zählte damals ca. 630 Einwohner, ohne Dorfteil Rieden, der noch eine eigene politische Gemeinde bildete. Schon im folgenden Jahr 1862 wurde dann der Schiessverein Wallisellen gegründet. Wo die Schützen ihre ersten Schiessübungen abhielten, ist heute nicht mehr bekannt. Ein Gesuch um Erteilung eines Schiessplatzes wurde vom Gemeinderat im Jahre 1871 so verabschiedet, dass er das Schiessen vom Bahnhof gegen den Guggenbühlbuck nicht bewilligte, dagegen aufmerksam machte, dass sich vielleicht die Richtung des Langwiesenweges eignen könnte. Die Schützen hatten offenbar bald einen vorläufigen Schiessplatz gefunden, denn am 8.Oktober desselben Jahres fand ein Grümpelschiessen statt. Am 22. März 1876 protokollierte der Gemeindeschreiber: "Auf Anfrage des Schiessvereins, ob das Schiessen in Hertiwiesen gegen die Opfikoner-Eichen gestattet sei, wird die Erklärung abgegeben, dass der Gemeinderat, soweit dies an ihm liege, nichts dagegen einwende und dass ihm dieser Platz sicherheitshalber wirklich als der geeigneteste vorkomme."
Die Einführung des Ordonnanzgewehres, Modell 1893, mit weitertragender Munition verlangte einen Schiessplatz, der grössere Sicherheit bot. Die Wahl fiel im Jahre 1893 auf das Gelände in den "Breitenäckern" zwischen Hard- und heutiger Schützenstrasse. Die kleine Zahl Walliseller Schützen hatte also damals noch unter recht einfachen Verhältnissen ihre Schiesspflicht zu erfüllen. Trotz Mangel an guten Kranzschützen liessen sie sich nicht davon abhalten, die Schützenfeste in der Umgebung zu besuchen, um ihre Mitglieder immer wieder zu besseren Schiessleistungen anzuspornen.
Der Schiessverein Wallisellen trat 1903 dem Zürcher Kantonalschützenverein bei. Er entwickelte eine rege Schiesstätigkeit, besuchte in diesem Jahr das Verbandsschiessen in Bassersdorf, das kant. Feldsektions-Wettschiessen und ein Feldschiessen in Seebach. Auch wurde mit dem Schiessverein Rieden eine gemeinsame Uebung abgehalten. 1904 wurde wiederum ein Gemeinde- und Grümpelschiessen durchgeführt und im Jahre1905 übernahm der Verein das Verbandsschiessen. An diesem Fest, am 18. Juni 1905 nahmen 10 Vereine teil; der Schiessverein Wallisellen erreichte mit einer Beteiligung von 15 Schützen den 5. Rang, ein Eichenkranz, was mit grosser Freude vermerkt wurde. Endlich gelang es in den Jahren 1911/12 ein neues Projekt zu fördern, durch welches die Schiessanlage, angrenzend an das Seewadelholz, geschaffen wurde. Die Kosten beliefen sich auf rund 34'000 Franken. Diese Anlage wurde im Jahre 1913 eröffnet, wobei der Schiessverein Wallisellen zu seinem 50-jährigen Bestehen ein Jubiläumsschiessen durchführte.
Der erste Weltkrieg schränkte den Schiessbetrieb stark ein. Im ganzen verschossen die Walliseller Schützen nur etwa 10'000 Patronen, dagegen wurde die Schiessanlage häufig von Truppen aus der Umgebung benutzt. Mit der Eingemeindung von Rieden im Jahre 1916 hatte auch der Schiessverein Rieden Heimatrecht auf unserer Anlage. Darüber hinaus diente die Schiessanlage in den Jahren 1920 - 23 vorübergehend auch den Schiessvereinen von Oerlikon, Kloten und Opfikon als Uebungsplatz. Nach Aufhebung der Schiessanlage Dietlikon war auch der SV Dietlikon von 1922 - 31 Gast auf unserem Schiessplatz.
Im Jahre 1938 konnte der Schiessverein Wallisellen sein 75-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsschiessen feiern. Auch dem 100-Jahr Jubiläumsschiessen 1962 war ein voller Erfolg beschieden, nahmen doch daran 99 Sektionen mit total 2'206 Schützen aus der näheren und weiteren Umgebung teil. Das 125-Jahr Jubiläum wurde mit einem Gruppenschiessen gefeiert an dem sich 274 Gruppen mit total 1'422 Schützen beteiligten.
Möge der Schiessverein Wallisellen auch das zweite Jahrhundert in Frieden überleben. Auch ihm und allen Schützen und Schützinnen unseres Landes gelte der Wahlspruch aus dem Fähnlein der sieben Aufrechten:
"Freundschaft in der Freiheit"



